Das Wichtigste zuerst: Du musst nicht alles auf einmal erledigen. Niemand erwartet das. Die meisten Fristen sind großzügiger als du denkst. Atme durch.

Was in den ersten Tagen wirklich nötig ist

Viele Ratgeber tun so, als müsstest du innerhalb von 24 oder 48 Stunden ein bestimmtes Bestattungsunternehmen endgültig beauftragen. Das ist nur die halbe Wahrheit: Diese Frist — die sogenannte Überführungsfrist, je nach Bundesland 24 bis 48 Stunden (mehr dazu in deinen Rechten) — gilt nur für den ersten, neutralen Transport in eine Leichenhalle. Wer diesen Transport übernimmt, ist noch lange nicht "dein" Bestatter. Die endgültige Wahl darfst du dir in Ruhe aussuchen. Es gibt nur eine Sache, die wirklich sofort passieren muss — alles andere darfst du in deinem eigenen Tempo angehen.

  1. Arzt oder Notarzt informieren — Das ist der einzige wirklich zeitkritische Schritt. Der Arzt stellt den Totenschein aus, ohne den nichts weitergeht. Ist der Tod zu Hause eingetreten: Hausarzt anrufen. Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117) oder Notruf (112).
  2. Nächste Angehörige benachrichtigen — Kinder, Geschwister, enge Freunde. Das darf auch ein anderer übernehmen, wenn du gerade nicht kannst. Es gibt keine Reihenfolge, die "richtig" ist.
  3. Verstorbenen abholen lassen — du musst dabei noch nichts entscheiden. Klinik, Pflegeheim oder bei einem Todesfall zu Hause die Polizei organisieren meist einen ersten, neutralen Transport. Das heißt nicht, dass du schon "das" Bestattungsunternehmen gewählt hast. Du darfst dir Tage Zeit nehmen, in Ruhe zu vergleichen und das Unternehmen zu wählen, das zu dir und deiner Familie passt — nicht das erstbeste.
  4. Sterbeurkunde beantragen — wenn du soweit bist. Das übernimmt meist das Bestattungsunternehmen für dich beim Standesamt, in der Regel innerhalb weniger Werktage. Du brauchst dafür: Totenschein, Personalausweis des Verstorbenen, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde (falls verheiratet). Bestelle mindestens 3 Ausfertigungen — viele Stellen akzeptieren heute auch einen Scan oder ein Foto der Urkunde, sodass du seltener als früher das Original verschicken musst. Bei einigen Ämtern oder Versicherungen brauchst du trotzdem eine beglaubigte Originalausfertigung — frag im Zweifel kurz nach, bevor du nachbestellst. Das eilt nicht heute.

Es gibt keinen Standardweg. Jeder Mensch und jede Familie trauert anders und braucht ein anderes Tempo. Was hier steht, sind Möglichkeiten — keine Vorschrift, wie schnell du sein musst.

Was in der ersten Woche erledigt werden sollte

Tipp: Lege einen Ordner an mit einer Kopie der Sterbeurkunde und allen wichtigen Dokumenten. Du wirst die Sterbeurkunde in den nächsten Monaten sehr oft brauchen.

Was noch Zeit hat (wirklich)

Diese Dinge klingen dringend, sind es aber meistens nicht:

Wer dir jetzt helfen kann

Du musst das nicht alleine durchkämpfen. Diese Menschen und Stellen helfen dir:

Vorsicht: In den ersten Wochen melden sich manchmal ungebetene Angebote — Versicherungsvertreter, Erbschaftsberater, Bestattungsunternehmen mit dubiosen Nachlass-Services. Unterschreibe nichts in Eile. Du hast Zeit.

Dein nächster Schritt

Wenn die erste Woche geschafft ist, geht es als nächstes um Finanzen und Rente. Der wichtigste Punkt dabei: die Witwenrente.

Witwenrente beantragen — wie es geht →