Inhalt

  1. Das Recht: Erben dürfen auf digitale Accounts zugreifen
  2. Das Handy entsperren
  3. Plattform für Plattform — was wo möglich ist
  4. Fotos und Erinnerungen sichern
  5. Kryptowährungen — besonderer Handlungsbedarf
  6. Selbst vorsorgen: Digitalen Nachlass regeln

Das Grundprinzip: Seit einem BGH-Urteil von 2018 ist klar: Der digitale Nachlass gehört den Erben — genauso wie ein Tagebuch oder Briefe. Erben haben das Recht, auf Accounts zuzugreifen. Die Plattformen müssen kooperieren — tun es aber nicht immer freiwillig oder schnell.

1. Das Recht: Erben dürfen auf digitale Accounts zugreifen

Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden (BGH III ZR 183/17): Ein Facebook-Konto geht genauso auf die Erben über wie ein Brief oder ein Tagebuch. Erben haben das Recht, auf alle digitalen Konten des Verstorbenen zuzugreifen — E-Mail, Social Media, Online-Dienste.

Die Plattformen können das nicht einfach verweigern. Sie müssen — auf Nachweis der Erbschaft — Zugang gewähren oder zumindest Daten herausgeben.

Was Sie brauchen: Sterbeurkunde + Erbschein (oder Testament mit Erbnachweis). Je nach Plattform unterschiedliche Formulare.

2. Das Handy entsperren

Das ist oft der erste und emotionalste Schritt. Viele Fotos, Nachrichten, Erinnerungen — alles hinter einem PIN oder Fingerabdruck.

Wenn Sie die PIN kennen: Einfach entsperren. Daten sichern (Backup auf Computer, externe Festplatte).

Wenn Sie die PIN nicht kennen (Apple iPhone): Apple kann den Geräte-Passcode grundsätzlich nicht entsperren — auch nicht über das „Nachlasskontakt"-Programm (Legacy Contact). War vor dem Tod ein Nachlasskontakt eingerichtet, bekommen Hinterbliebene über einen Zugangsschlüssel + Sterbeurkunde Zugriff auf die iCloud-Daten über eine neu ausgestellte Apple-ID — nicht auf das Gerät selbst. War kein Nachlasskontakt eingerichtet, ist stattdessen ein Erbschein bzw. entsprechender Nachweis bei Apple einzureichen. apple.com/de/support — dort nach „Nachlasskontakt" suchen.

Android-Geräte: Der Hersteller (Samsung, Google etc.) hat eigene Prozesse. Google etwa hat das Inactive Account Manager-Programm. Im Zweifelsfall professionellen Datenrettungsservice beauftragen — Kosten ca. 150–400 €.

Nicht zu viele Entsperrversuche: Bei iPhone führen zu viele falsche PINs zur dauerhaften Sperrung. Wenn Sie die PIN nicht kennen, keine Versuche riskieren — direkt an Apple wenden.

3. Plattform für Plattform

Facebook / Instagram (Meta)
Zwei Optionen

Gedenkstatus: Das Profil bleibt bestehen, wird als „In Erinnerung an" gekennzeichnet. Freunde können weiter Erinnerungen posten.

Löschen: Vollständige Löschung auf Antrag mit Erbnachweis.

Gut gelöst — beide Optionen leicht zugänglich auf der Meta-Hilfeseite
Google (Gmail, Google Drive, YouTube)
Zugang oder Löschung

Google hat ein offizielles Formular für Hinterbliebene. Mit Erbnachweis: Daten herunterladen oder Account löschen. Direkter Zugang (Login) gewährt Google grundsätzlich nicht.

Wichtig: Google Drive kann Fotos, Dokumente, wichtige Daten enthalten — sichern, bevor der Account gelöscht wird.

support.google.com/accounts/troubleshooter/6357590
Apple (iCloud, iTunes, App Store)
Komplex, aber lösbar

Gekaufte Apps, Musik, Bücher sind Lizenzen — nicht vererbbar. Fotos und Dokumente in iCloud schon. Nachlassantrag über apple.com stellen.

Wenn der Verstorbene Sie als Nachlasskontakt eingetragen hatte: Direktzugang möglich.

Dauert mehrere Wochen
WhatsApp
Nachrichten nicht zugänglich

WhatsApp-Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Meta selbst kann sie nicht lesen — und Erben bekommen keinen Zugang zum Chatverlauf, auch nicht per Gericht.

Was möglich ist: Den Account deaktivieren lassen.

Nachrichten dauerhaft verloren — außer Backup auf dem Gerät selbst
Amazon
Account schließen

Bücher, Musik und Videos auf Amazon/Kindle sind Lizenzen — nicht vererbbar, nicht übertragbar. Account auf Antrag schließen. Evtl. noch ausstehende Erstattungen abholen.

Einfach über Kundenservice möglich
Netflix / Spotify / Streaming
Kündigen

Abonnements laufen weiter, auch nach dem Tod. Sofort kündigen — Zugang mit Passwort möglich wenn vorhanden, sonst über Kundendienst mit Sterbeurkunde.

Alle haben unkomplizierte Kündigungsprozesse
Online-Banking
Wie normale Bank

Online-Banking ist nur der Zugang zum Konto — das Konto selbst regeln Sie mit der Bank. Den Onlinezugang brauchen Sie nach der Kontoübernahme nicht mehr.

Passwörter vom Verstorbenen nicht selbst nutzen — erst Erbnachweis, dann regulären Zugang beantragen.

Ohne Vollmacht: Kein Zugang bis Erbschein vorliegt
E-Mail-Konten (web.de, GMX, Gmail etc.)
Zugang mit Erbnachweis

Deutsche Provider (web.de, GMX) sind unkomplizierter als amerikanische. Sterbeurkunde und Erbnachweis genügen meist für Zugang oder Übergabe der gespeicherten E-Mails.

Wichtig: Manche wichtigen Bestätigungs-E-Mails (Abonnements, Konten) sind nur per E-Mail zugänglich.

Relativ unkompliziert bei deutschen Providern

4. Fotos und Erinnerungen sichern — das Wichtigste zuerst

Bevor Sie Accounts löschen: Fotos und Videos sichern. Das ist der emotionalste und wichtigste Teil des digitalen Erbes.

  1. Handy: Wenn entsperrt — alle Fotos auf Computer kopieren oder in eine Cloud hochladen (Google Photos, iCloud, externe Festplatte)
  2. Facebook/Instagram: „Deine Informationen herunterladen" in den Einstellungen — exportiert alle Fotos, Posts, Nachrichten als ZIP-Datei
  3. Google Fotos: Download über Google Takeout — alle Fotos auf einmal
  4. Erst sichern, dann löschen: Nie einen Account löschen, bevor alles gesichert ist — eine Löschung ist endgültig

5. Kryptowährungen — besonderer Handlungsbedarf

Wenn der Verstorbene Bitcoin, Ethereum oder andere Kryptowährungen besessen hat, ist das ein Sonderfall. Kryptowährungen sind ohne den privaten Schlüssel (Private Key) oder das Passwort der Wallet-App dauerhaft verloren. Keine Behörde, kein Gericht und kein Anbieter kann da helfen.

Was Sie suchen müssen:

Dringend suchen: Seed-Phrase auf Papier, in Notizbüchern, in Schließfächern, auf USB-Sticks. Das ist oft der einzige Weg. Je früher gesucht wird, desto besser.

6. Selbst vorsorgen: Den digitalen Nachlass regeln

Was heute noch niemand tut — aber morgen wichtig sein wird: Den eigenen digitalen Nachlass regeln, solange man kann. Das schützt die Menschen, die man liebt, vor unnötigem Stress.

Passwort-Manager nutzen Alle wichtigen Passwörter an einem sicheren Ort. Einen Vertrauensmenschen wissen lassen, wo der Zugang ist.
Nachlasskontakt bei Apple einrichten In den iPhone-Einstellungen unter „Apple-ID → Passwort & Sicherheit" kann man einen Nachlasskontakt benennen. Der bekommt nach dem Tod einfachen Zugang.
Google Inactive Account Manager Unter myaccount.google.com/inactive kann man festlegen, was mit dem Account passiert, wenn man inaktiv wird — und wer Zugang bekommt.
Facebook Nachlasskontakt In den Facebook-Einstellungen kann man jemanden als Nachlasskontakt eintragen — der kann nach dem Tod das Profil pflegen oder löschen.
Digitales Testament oder Brief Ein Dokument mit allen Accounts, Passwörtern und Wünschen. Sicher aufbewahren — beim Notar, im Testament, in einem Schließfach.

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