Inhalt

  1. Warum es sich anders anfühlt
  2. Was in den ersten Tagen wichtig ist
  3. Kinder — Sorgerecht, Halbwaisenrente, Schule
  4. Finanzen — Kredit, Miete, Schulden
  5. Witwenrente — was junge Menschen bekommen
  6. Versicherungen prüfen
  7. Wo Sie Unterstützung finden

„Er war 38. Herzstillstand im Schlaf. Morgens wollte ich ihn wecken. Wir hatten drei Kinder, 4, 7 und 10 Jahre alt. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Nicht mit den Behörden, nicht mit den Kindern, nicht mit mir selbst."

— Anonymisierter Bericht

1. Warum es sich anders anfühlt

Wenn ältere Menschen sterben, sagen die Leute: „Es war an der Zeit." Wenn ein Mensch mit 35 stirbt, sagen sie: „So jung." Und dann wissen sie oft nicht, was noch.

Der Tod eines jungen Partners ist fast immer plötzlich — Unfall, Herzinfarkt, Krebs der zu spät entdeckt wurde. Es gibt keine Vorbereitung, kein Abschiednehmen, keinen Übergang. Von einem Tag auf den nächsten.

Hinzu kommt: Niemand in Ihrem Umfeld hat das erlebt. Ihre Freunde sind in Ihrem Alter. Niemand weiß, was zu sagen ist. Viele sagen das Falsche. Manche verschwinden ganz.

Das ist real. Das ist schwer. Und Sie müssen trotzdem funktionieren — für die Kinder, für die Behörden, für den Alltag.

2. Was in den ersten Tagen wirklich wichtig ist

Erste Woche

1
Totenschein und Sterbeurkunde — Arzt, dann Standesamt. 6–8 Exemplare der Sterbeurkunde holen.
2
Arbeitgeber des Partners informieren — das Gehalt wird nur noch bis zum Todestag bezahlt. Eventuell noch ausstehende Zahlung abklären.
3
Krankenkasse des Partners kündigen — Beiträge laufen sonst weiter.
4
Konten prüfen — Daueraufträge (Miete, Strom, Versicherungen) kontrollieren, nichts überstürzt kündigen.
5
Schule / Kita informieren — die können die Kinder und Sie im Alltag unterstützen, wenn sie Bescheid wissen.
6
Hilfe annehmen — wer anbietet: Ja sagen. Konkret benennen, was hilft (Einkaufen, Kochen, Kinder abholen).

3. Kinder — Sorgerecht, Halbwaisenrente, Schule

Sorgerecht

Verheiratete Eltern: Das alleinige Sorgerecht geht automatisch auf Sie über.

Nicht verheiratete Eltern: Wenn Sie die Mutter sind und der Vater gestorben ist, hatten Sie das alleinige Sorgerecht von Anfang an — es ändert sich nichts. Wenn Sie der Vater sind und die Mutter gestorben ist: Das Sorgerecht haben Sie nur, wenn Sie eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgegeben haben. Falls nicht, muss das Familiengericht das Sorgerecht auf Sie übertragen — beantragen Sie das sofort.

Halbwaisenrente

Wenn der verstorbene Partner Rentenbeiträge eingezahlt hat, haben Ihre Kinder Anspruch auf Halbwaisenrente. Diese beträgt ca. 10 % (gesetzliche Rentenversicherung) der Rente des Verstorbenen. Sie wird bis zum 18. Geburtstag gezahlt, bei Ausbildung/Studium bis 27.

Beantragen Sie die Halbwaisenrente bei der Deutschen Rentenversicherung. Formulare: R0500 (Antrag auf Hinterbliebenenrente) mit der Anlage R0610 für die Waisenrente. Hotline: 0800 1000 4800 (kostenlos).

Mit Kindern über den Tod reden

Kinder brauchen Wahrheit — altersgerecht. „Papa schläft" oder „Mama ist weggegangen" führt zu Verwirrung und Angst. Klare, einfache Worte sind besser: „Mama ist gestorben. Das bedeutet, sie kommt nicht mehr zurück. Wir sind traurig. Das dürfen wir sein."

Professionelle Unterstützung für Kinder: Kindertrauergruppen und Beratungsstellen gibt es bundesweit. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung hat eine Suchfunktion auf ihrer Webseite. Schulpsychologen können ebenfalls helfen.

4. Finanzen — Kredit, Miete, Schulden

Gemeinsamer Kredit

Wenn Sie gemeinsam einen Kredit aufgenommen haben (Immobilienfinanzierung, Autokredit), sind Sie nach dem Tod des Partners allein haftbar für den gesamten Betrag. Informieren Sie die Bank sofort — oft gibt es eine Restschuldversicherung, die den Kredit im Todesfall absichert. Prüfen Sie die Unterlagen.

Kredit auf den Namen des Verstorbenen

Wenn Sie der Erbe sind, erben Sie auch die Schulden. Wenn der Nachlass mehr Schulden als Vermögen hat, können Sie die Erbschaft ausschlagen — innerhalb von 6 Wochen nach Kenntnis des Erbfalls (Frist beginnt, sobald Sie wissen, dass Sie Erbe sind). Sprechen Sie vorher mit einem Anwalt.

Miete und laufende Kosten

Das Einkommen fällt weg, die Kosten bleiben. Prüfen Sie sofort, ob Sie Anspruch auf staatliche Unterstützung haben:

5. Witwenrente — was junge Menschen bekommen

Junge Witwen und Witwer erhalten trotzdem etwas: die kleine Witwen-/Witwerrente — für maximal 24 Monate. Danach endet sie grundsätzlich ersatzlos, außer Sie erfüllen inzwischen die Voraussetzungen für die große Witwen-/Witwerrente: die gesetzliche Altersgrenze (2026: 46 Jahre und 6 Monate, steigt schrittweise auf 47 Jahre bis 2029), Erziehung eines minderjährigen Kindes, oder Erwerbsminderung.

Voraussetzung immer: Sie waren verheiratet und der Partner hat mindestens 5 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt.

Nicht verheiratet? Dann gibt es leider keine Witwenrente. Die Halbwaisenrente für die Kinder bleibt aber bestehen. Mehr dazu auf der Seite Unverheiratet.

6. Versicherungen prüfen

7. Wo Sie Unterstützung finden

Verwaiste Eltern Deutschland e.V.

Wenn Ihr Kind gestorben ist. Selbsthilfegruppen bundesweit. verwaiste-eltern.de

Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister

Beratung, Gruppen, Einzelbegleitung. veid.de

Trauerambulanz / lokale Hospize

Fast alle Hospize bieten auch Trauerbegleitung für Hinterbliebene an — kostenlos, vertraulich.

Telefonseelsorge

0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 — rund um die Uhr, kostenlos, anonym. Nicht nur für Krisen. Auch einfach zum Reden.

Familienberatung des Jugendamts

Kostenlose Beratung für Familien in schwierigen Situationen — auch für Fragen rund um Kinder nach Trauerfällen.

Schuldner- und Insolvenzberatung

Wenn Schulden ein Thema sind: Kostenlose Beratungsstellen in jeder größeren Stadt. Nicht warten.

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